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Auch Männer leiden unter Borderline

12. Juni 2003 yahoo! Nachrichten

Auch Männer leiden unter Borderline

Frankfurt/Main (AP) Sie zerschneiden sich die Arme, beißen in ihre Hände, drücken Zigaretten auf ihrem Körper aus und schlucken Drogen und Medikamente: Das Borderline-Syndrom gilt als typisch weibliche Persönlichkeitsstörung. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde schätzt die Zahl der Patienten in Deutschland auf 1,5 Millionen - überwiegend Frauen zwischen 15 und 25 Jahren.

Der Anteil der männlichen Patienten ist bislang nicht genau ermittelt. Doch nach Überzeugung von Experten sind wesentlich mehr Männer von dieser Krankheit betroffen als bislang vermutet. Am Berliner Uniklinikum Benjamin Franklin hat nun bundesweit erstmals eine Station für männliche Borderliner eröffnet. "Bei der Therapie und der Erkennung von Borderline-Störungen bei Männern besteht ein riesiger Nachholbedarf", betont Oberarzt Claas-Hinrich Lammers.

Der Ende der 30er Jahre geprägte Begriff Borderline ("Grenzlinie") geht auf den amerikanischen Psychoanalytiker William Louis Stern zurück, der damit psychische Störungen umschrieb, die zwischen Neurose und Psychose schwanken. Heute gilt das Syndrom, dessen genauen Ursachen noch immer unklar sind, als eigenständiges Krankheitsbild: Borderliner leiden unter einer schier unerträglichen inneren Spannung, die sich abwechselnd in großer Euphorie und tiefer Niedergeschlagenheit äußert.

Vor allem weibliche Patienten versuchen diese Spannung zu überwinden, indem sie sich selbst Schmerzen zufügen. Die so genannte Selbstverletzungsrate liegt bei 69 bis 80 Prozent. Fast alle Erkrankten sind extrem suizidgefährdet, knapp zehn Prozent bringen sich tatsächlich um. "Borderliner sind meist sehr empfindsame Menschen, die in frühester Kindheit misshandelt, missbraucht oder schwer vernachlässigt wurden", berichtet die Psychiatrie-Gesellschaft.

Schon bei kleinsten Anzeichen von Kritik oder zwischenmenschlichen Konflikten würden sie von unangenehmen Gefühlen überschwemmt, die kaum auszuhaltende Spannungen hervorriefen. "Dabei können die Patienten meist nicht sagen, ob sie ängstlich, wütend oder verzweifelt sind", sagt Sabine Herpertz von der Psychiatrischen Klinik der Universität Aachen. Sie könnten diese Gefühle gar nicht unterscheiden.

Männliche Borderliner richten aber im Gegensatz zu den weiblichen Patienten ihre Aggressionen weniger gegen sich selbst als gegen ihre Umwelt, wie Lammers betont. Die typischen Spannungszustände bauten sie eher durch die Einnahme von illegalen Drogen und Alkohol ab. Viele der Patienten seien schon häufig mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, ehe sie psychiatrisch behandelt worden seien, erklärt der Facharzt.

Nach seinen Angaben hat die lange Zeit als schwer therapierbar geltende Krankheit mittlerweile gute Prognosen. "Letztlich geht es in der Therapie darum, die emotionale Belastbarkeit zu erhöhen und den Patienten im Vorfeld von Spannungszuständen andere Lösungen anzubieten, als beispielsweise seine Frau zu verprügeln", sagt Lammers.

In der zwölfwöchigen stationären Therapiephase stehen Gruppen- und Einzeltherapien, Körper- und Suchttherapien, Ausflüge und viele weitere Maßnahmen auf dem Programm, die den Patienten zu einer besseren Selbstwahrnehmung führen. Am Ende sollte der Borderliner dann in der Lage sein, Suizidgedanken und Aggressivität gegen andere Menschen durch weniger schädliche Verhaltensweisen zu ersetzen.


Paranoide Persönlichkeitsstörung

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