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6. Juli 2003, ZDF

Extrem verletzlich

Borderline-Kranke leben zwischen extremen Gefühlen

In Deutschland leiden rund eineinhalb Millionen Menschen an Borderline. Häufig sind sie in frühester Kindheit misshandelt, missbraucht oder schwer vernachlässigt worden. Sie müssen lernen, wieder emotional stabil zu werden.
07.07.2003
Etwa drei Viertel der Betroffenen sind Frauen, vorwiegend im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Borderliner kennen keine eindeutigen Ich-Grenzen, sind in der Regel sehr verletzlich, emotional instabil und haben deshalb große Probleme, dauerhafte Partnerschaften aufzubauen. Es stellt sich außerdem ein chronisches Gefühl von Leere ein. Gefühle werden nicht wahrgenommen
In den meisten Fällen ist das Verhalten von Boderlinern durch extreme Stimmungsschwankungen gekennzeichnet. Schon auf kleine Reize können sie sehr heftig reagieren und ihre Erregung dann häufig nicht mehr zurückfahren. Oft spüren die Kranken ihre Gefühle nicht einmal, sondern nur die Spannung, die ihnen zu Grunde liegt. Selbstverletzung löst innere Spannung
Menschen verletzen sich selbst, weil sie die Verbindung und den Zugang zum eigenen Körper verloren haben und ihn nicht mehr spüren. In ihrer Not schnippeln und kratzen sie sich blutig, verbrennen und verätzen ihre Haut.

Die Verletzungen sind Anzeichen heftiger innerer Qualen. Die Autoaggression löst die Spannung im Körper, ist ein Ausdruck von Wut, der Wunsch nach Rache an den Menschen, die den Betroffenen seelisch beschädigt haben, und sie dient als Machtmittel, um auf sich und die innere Not aufmerksam zu machen. Häufig stellen sich dann auch noch bohrende Schuldgefühle ein. Ohne seelisches Zuhause
Viele der Menschen, die sich selbst verletzen, haben nie gelernt oder irgendwann verlernt, die Signale ihres Körpers zu verstehen. Sie haben kein richtiges Zuhause im eigenen Körper, sind sich und ihrem Körper entfremdet. Ängste, Depressionen, Orientierungslosigkeit im beruflichen Leben oder Unsicherheit über die sexuelle Identität können weitere Symptome von Borderline sein. Das autoaggressive Verhalten birgt ein erhebliches Risiko für Leben und Gesundheit des Betroffenen. Das Selbstmordrisiko ist nie ganz auszuschließen.

Mit einer konsequenten Therapie schafft es etwa die Hälfte aller Patienten, wieder ein normales Leben zu führen. Helfen können bei selbstverletzendem Verhalten Psychotherapien mit Elementen aus verschiedenen Richtungen wie Verhaltens-, Körper- und Hypnosetherapie. Ziel einer oft mehrmonatigen Behandlung ist es, den Patienten die Fähigkeit zu verschaffen, sich zu erinnern, ohne daran zu leiden. Emotional stabiler werden
In der Dialektisch-Behavioralen-Therapie (DBT) wird der Umgang mit der emotionalen Instabilität erlernt, insbesondere die Gestaltung zwischenmenschlicher Kontakte. Die Patienten lernen, sich vor selbstgefährdendem Verhalten zu schützen und mit Stress umzugehen. Sie lernen, Nähe und Distanz, Gefühl und Verstand in Einklang zu bringen. Die Einnahme von Medikamenten ist nur in Absprache mit einem behandelnden Arzt oder Therapeuten sinnvoll.

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