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Psycho movie
von Martin Fellner

Für Fachhochschullehrer, die sich im Psycho- und Medienbereich herumtreiben ist „Psycho movie“ ein Muss, und zwar von vorne bis hinten. Ohne Gnade. Für Liebhaber des Genres und Veranstalter der hartnäckig überlebenden "Psychiatrie im Film"-Tage sollte dieses Buch, natürlich neben den unverzichtbaren und längst vergriffenen "Caligaris Erben", einen festen Platz bekommen.
Muss die Rezensentin dem Buch gewachsen sein?
Das vorliegende Werk und zugleich Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München übersteigt meinen Horizont – aber bin ich denn eine Doktorvaterin? Beileibe nein, in jener Funktion hat Heiner Keupp ein Vorwort verfasst, das mir nicht weniger Mühe abverlangte als große Teile des hier zu besprechenden eng bedruckten Wälzers. Als kleine Kostproben seien hier einige Zwischentitel zitiert: „Die mediale Konstruktion des Krankheitsbegriffs als normalistischer Interdiskurs“ oder: „Encoding-Decoding-Modell und Analyse filmimmanenter Subjektpositionen“. Ist ja gut. Ich bin eine freie Leserin in einem freien Land, und dies ist ein freies Buch. Auf der Suche nach den von mir gewünschten Stellen wurde ich rasch fündig, las mich fest und überflog anderes im Sauseschritt.
Und ich entdeckte wunderbare Beschreibungen von insgesamt ca. hundert Filmen, in denen Psychiatrie, psychische Störung und Psychotherapie mehr als eine Nebenrolle spielen. Ich treffe wieder auf alte Bekannte (Kuckucksnest & Rosengarten) und entdecke sie ganz neu. Ich erhalte Hintergrundinfos und erfahre, wie die Filmkritik reagierte. Kleine feine Abbildungen frischen das Gedächtnis auf, und ich fange allmählich an, auch die Analysen zu lesen. Dies führt zu erstaunlichen Effekten, und einige Filme greife ich sofort aus dem Regal, um sie mit neuem Blick noch einmal zu sehen. „Don Juan de Marco“ zum Beispiel, Sie erinnern sich bestimmt an etliche Wiederholungen dieses Schwiegermutter-Films mit Marlon Brando und Johnny Depp im Fernsehen; nach der Lektüre entpuppt sich „Juan de Marco“ als grandioses Jonglieren mit der Wirklichkeit. Fast ein bisschen süchtig wurde ich im Laufe der Lektüre nach Markus Fellners lakonischen Übersetzungen seiner komplexen Analysen für den schlichten Leser, wie mich.
So erklärt er das bereits zitierte „Encoding-Decoding“: „Mit anderen Worten: Man kann z.B. aus einem Spielfilm mehr oder weniger auch andere Bedeutungen herauslesen, als sie von den Produzenten (egal ob bewusst oder unbewusst) intendiert sind.“ Und, um beim Thema zu bleiben, noch ein ähnlich nachsichtiger Satz zu Juan de Marco: “Übrig bleibt die Erkenntnis, dass alles auch ganz anders und viel schöner sein könnte, als es ist.“ Ein Blockbuster wie „Girl, interrupted“ führt mich unter Markus Fellners kluger Supervision zu den allerletzten Fragen; schließlich kann mich sogar die Überschrift „Dekonstruktion des Psychoanalyse-Films: Stadtneurotiker meets Pate“ nicht mehr davon abhalten, den etwas angestaubten „Reine Nervensache“ mit Robert De Niro als Mafiaboss mit Panikattacken in den Videorekorder zu schieben. „Reine Nervensache“ fehlt in Ihrer Sammlung? Kein Problem – wie alle Inhaltsangaben ist auch diese ausführlich und treffend und trocken-witzig und schafft es, den Film vor die innere Leinwand zu projizieren. Das ist verdammt schwer, und ich weiß, wovon ich rede. Allein die insgesamt fünfzehn brillanten Seiten, die den „gegenläufigen Machtansprüchen“ von Mafia und Psychoanalyse gewidmet sind, verdienen aus meiner bescheidenen Sicht die Promotion. Gratuliere!
Weiter hinten wird es etwas abseitiger, die guten alten Psycho-Paten inklusive Splatter-Movies und die traumatisierten Vietnamveteranen irren durch Knäcke-Land und werden akribisch durchleuchtet. Und schließlich kommt unter der Rubrik „Wahnsinn und Identitätsarbeit“ auch das unübertroffene „Weiße Rauschen“ zu der Ehre, cineastisch und medienanalytisch oder wie auch immer das heißt, die ihm gebührt.
Für Fachhochschullehrer, die sich im Psycho- und Medienbereich herumtreiben ist „Psycho movie“ ein Muss, und zwar von vorne bis hinten. Ohne Gnade. Für Liebhaber des Genres und Veranstalter der hartnäckig überlebenden „Psychiatrie im Film“-Tage sollte dieses Buch, natürlich neben den unverzichtbaren und längst vergriffenen „Caligaris Erben“, einen festen Platz bekommen.

ISBN: 3-89942-471-9



 

Schluss mit dem Eiertanz
Ratgeber für Borderline-Angehörige

"Was bleibt noch übrig, wenn unser Umgang mit dem anderen ein ewiger Eiertanz ist? Oberflächlicher Smalltalk, angespanntes Schweigen, jede Menge Stress. Gibt es in einer Beziehung keine Sicherheit und Intimität mehr, werden wir zu gewohnheitsmäßigen Schauspielern. Wir tun so, als wären wir glücklich, wenn wir es nicht sind. Wir sagen, dass alles in Ordnung sei, wenn es nicht stimmt. Was früher ein leichtfüßiger Tanz der Zuneigung und Nähe war, verwandelt sich in einen Maskenball, auf dem die beteiligten Personen mehr und mehr von ihrem wahren Ich verbergen."
Borderline-Verhalten ist nicht nur für die Betroffenen anstrengend, zermürbend und oft zerstörerisch, sondern auch für Angehörige, Partner und Freunde. Sie laufen Gefahr, ebenfalls von den höchst prekären Verhaltensweisen der Erkrankten dominiert zu werden, und stehen täglich vor Fragen wie diesen: Wie gehe ich mit den verwirrenden Nähe-Distanz-Angeboten um? Wie schütze ich mich gegen die abwertenden und destruktiven Vorwürfe? Wie reagiere ich auf die extremen Stimmungswechsel? Und nicht zuletzt: Wie handle ich bei selbstverletzendem Verhalten?
Dieser Ratgeber gibt nicht nur einen guten Einblick in die Borderline-Erkrankung und in das Fühlen der Betroffenen, die Autoren entwickeln Kapitel für Kapitel konkrete Anregungen und Tipps für das Verhalten von Angehörigen. Ziel des Buches ist es, den Angehörigen darin zu unterstützen, selbst psychisch stabil zu bleiben und dennoch hilfreich zu sein für den Erkrankten.

ISBN 3-88414-337-9



 

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